über
Die aleXfiles sind die Fortführung einer Internetseite, die ich bereits 2004 online gestellt und inzwischen wieder gelöscht habe. Das Projekt einer Alexiklopädie reicht allerdings weiter in die Vergangenheit zurück, in meine eigene Kindheit, denn ich selbst bin auch ein Alexander.
Mit sechs bis acht Jahren mochte ich meinen eigenen Namen aus mir heute unzugänglichen Gründen ganz und gar nicht. Riefen meine Eltern oder Großeltern laut nach mir, dann tickte ich aus, bockte los und rief garstig zurück: ICH HEISSE NICHT SO! Einmal passierte dies auch auf dem Alexanderplatz in Berlin. Das war der Moment, so denke ich heute, in dem ich anfing, über diesen Namen nachzudenken und mich damit zu identifizieren.
Natürlich sind diese Seiten auf den ersten Blick karmesinroter Zinnober, eine willkürliche und kunterbunte Konstruktion, die allein durch eine Namensübereinstimmung zusammen gehalten wird. Jedoch verweisen die Namensträger im Verbund und in all ihrer Vielschichtigkeit auf eine tiefere Ebene, die zu sagen scheint: Mein Name ist Alexander, aber mein Name ist auch Mensch. Das Individuum verschwindet in der Summe der Auflistung hinter kollektiven Merkmalen.
Der ewige Alexander ist kosmopolitisch, polytheistisch und vielseitig begabt. Der ewige Alex spricht viele Sprachen, gehört vielen Völkern an und hat alle Hautfarben (z.B. Alexander Puschkin, Alexandre Dumas oder Alexander Bustamante). Der ewige Alex ist Künstler und Kosmonaut, Aristokrat und Demokrat, Einfaltspinsel und Tausendsassa - in (k)einer Person.
Letzten Endes ist es egal, wie man heißt. Du bist nicht dein Name. Wer die aleXfiles unter dieser Perspektive durchstöbert, wird verstehen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Oder auch nicht.
Es gibt auch noch eine andere Lesart, die des paranoiden Wahnsinns. Allein auf die Gemeinsamkeit des Namens orientiert, kann man den ewigen Alexander für den Verlauf der Weltgeschichte verantwortlich machen. Die Alexander sind ebenso wie die Freimaurer, die Juden, die Jesuiten, die Illuminaten, die Fahrradfahrer und die Brillenträger (deren Erfinder: Alessandro della Spina) an allem Schuld, weil sie überall mit dabei sind. Es sind die Alexander, die hinter allem stecken und hinterher ganz unschuldig tun. Seht genau hin und ihr werdet sie überall entdecken!
“Das Gedächtnis hat zwei Funktionen: Es bewahrt auf und es filtert. Wenn wir nicht die Hälfte all dessen, was wir lernen, wieder wegwerfen, werden wir völlig verrückt. Heute leben wir in einem Zeitalter, das mehr Informationen zur Verfügung hat als jedes andere. Die Enzyklopädie ist unendlich. Früher wurde uns die Arbeit des Filterns abgenommen. Nicht nur durch Zensur, auch weil ein Verlag bestimmte Bücher in sein Programm aufnahm und andere nicht. Die Kultur, verstanden als ein anthropologischer Begriff, hatte immer die Funktion eines Filters. Man muss wissen, wann Julius Caesar gestorben ist, der Todestag seiner Frau ist unwichtig. Im Internet wird diese Wertung aufgehoben. Heute besteht die Gefahr, dass sechs Milliarden Menschen sechs Milliarden verschiedener Enzyklopädien haben und sich überhaupt nicht mehr verstehen. Von wegen: Der Westen gegen den Islam, ich gegen Sie!” (Die Welt vom 1. Oktober 2004, Interview mit Umberto Eco)
Aus diesem Grund bastel ich fleißig an der Alexanderverschwörung. Dankbar wäre ich über jede Art von Hinweis oder Beihilfe zu dieser Art der Verschwörung, denn es soll einmal ein komplexer Roman daraus werden.


